"ungeschminkt"

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Veränderte Umstände erfordern veränderte Handlungsweisen! Aus diesem Grund hat sich der KOV entschlossen, regelmäßig in der Serie "ungeschminkt" zu aktuellen Entwicklungen Stellung zu nehmen und über konkrete Fälle zu berichten. Unangenehme (und oft erschreckende) Tatsachen müssen für alle sichtbar gemacht werden, ganz besonders soll der schon weit fortgeschrittene Rechtsbankrott öffentlich dokumentiert werden. [Weiterlesen...]

Der wissenschaftliche Disput, ob einzelne private Geschäftsbanken Buchgeld schöpfen können – vereinfacht oft als "Geld aus dem Nichts" bezeichnet – geht in eine weitere, vielleicht entscheidende Runde. Offensichtlich lässt sich im Internetzeitalter eine dem orthodoxen Wissenschaftsbetrieb konträre, aber als wahr erkannte und empirisch bewiesene Theorie nicht mehr von den etablierten "Autoritäten" verheimlichen bzw. unterdrücken. Wir alle sind Zeugen eines nun langsam einsetzenden Paradigmenwechsel in der neoklassischen Volkswirtschaftslehre. Hierzu erlauben wir uns, von einer aktuellen Initiative zu berichten:

Mit einem offenen Brief an die VWL-Professoren ihrer jeweiligen Universitäten haben Studierende und Lehrende des internationalen Netzwerks "Rethinking Economics" und des deutschen "Netzwerk Plurale Ökonomik" deutlich gemacht, dass sie es nicht länger hinnehmen wollen, dass die meisten Lehrbücher die Funktionsweise von Banken nachweislich falsch erklären.

Die offenen Briefe sprechen für sich selbst. Hier deshalb nur ein paar (auf deutsch übersetzte) Absätze des Briefs von Rethinking Economics:
»Banken und ihre Rolle bei der Schaffung von Geld sind ein wichtiger Bestandteil unserer modernen, finanzialisierten Volkswirtschaften. Trotzdem bekommen VWL-Studenten nur ein unvollkommenes Bild davon vermittelt. Da Sie diejenigen sind, die die nächste Generation von Ökonomen formen, ist es essentiell, dass Sie die Lehre über die Rolle der Banken in VWL-Kursen überprüfen und sie in Einklang mit dem aktuellen Forschungsstand bringen. VWL-Absolventen müssen verstehen können, wie Banken in der wirklichen Welt funktionieren, um Krisen wie in der Vergangenheit zu vermeiden und in Zukunft besser funktionierende Volkswirtschaften zu schaffen.
Was derzeit gelehrt wird
VWL-Lehrbücher in der ganzen Welt lehren die Studenten immer noch ein Modell des Geldsystems, in dem Geschäftsbanken als Vermittler dargestellt werden, die nur schon bestehendes Geld innerhalb des Systems hin und her bewegen, wie Schmiermittel in einer Maschine. Viele VWL-Kurse stützen sich auf die Modelle in diesen Lehrbüchern, ohne Rücksicht auf die empirischen Nachweise, die diesen Modellen widersprechen.
Wie wird Geld geschaffen?
Wie die Bank von England, die Bundesbank und viele Wirtschaftsforscher nachgewiesen haben, sind Banken keine Vermittler, die schon bestehende Geldmittel von Sparern zu Kreditnehmern lenken. Geschäftsbanken schaffen das Gros des Geldes, das sich im Umlauf befindet. Anders als andere Finanzinstitutionen schaffen sie Geld, wenn sie Kredit geben. Sie verleihen nicht bestehende Geldmittel, die sich auf einem anderen Konto befinden, sondern sie schaffen das Geld, indem sie es dem Konto des Kreditnehmers gutschreiben. Deshalb ist die Kreditvergabe der Banken nicht begrenzt von der verfügbaren Menge existierender Geldmittel (also Ersparnissen), oder dem Umfang der Bankguthaben bei der Zentralbank...«
Der offene Brief vom Netzwerk Plurale Ökonomik zitiert bspw. die Aussagen der Bank von England:
»Die Geldschöpfung in der realen Welt unterscheidet sich von manchen populären Fehldeutungen – Banken agieren weder einfach als Intermediäre, die Einlagen weitergeben, die Sparer bei ihnen einzahlen, noch "multiplizieren" sie Zentralbankgeld um neue Kredite oder Einlagen zu schaffen. (…) Immer wenn eine Bank einen Kredit vergibt, schafft sie damit eine gleich hohe Einlage auf dem Bankkonto des Kreditnehmers. Damit schafft sie neues Geld.«
Dem stellen die Verfasser gegensätzliche und falsche Aussagen von führenden Lehrbüchern gegenüber.
Die schwerwiegenden Konsequenzen dieser falschen Lehren zeigen die Studierenden von Rethinking Economics an einer Reihe von Beispielen, so u.a.: »Ein Beispiel ist die Fehldeutung, dass man zuerst einmal die Leute dazu bringen muss, zu sparen, um die Investitionen zu vermehren.« Und schließlich: »Der Crash wurde von den meisten Universitätsökonomen nicht vorhergesehen, was in nicht geringem Maße an blinden Flecken bezüglich der Macht der Banken zur Geldschaffung und ihrem Einfluss auf die Gesamtwirtschaft lag.«

Fazit: Fast könnte man meinen, dass zum Teil die Korrespondenz des KOV mit der Wirtschaftsuniversität Wien aus dem Jahr 2016 ("Warum verbreiten die Wirtschaftswissenschaften Irrlehren?") und 2017 ("Pseudowissenschaft an der Wirtschaftsuniversität Wien?") für "Rethinking Economics" und das "Netzwerk Plurale Ökonomik" als Vorlage gedient hätte...
Der KOV hat in seiner damaligen Korrespondenz schon im Prinzip die gleiche Argumentation wie nun "Rethinking Economics“ verwendet. Wir haben eindringlich auf die Missstände hingewiesen und zu dieser Problematik eine umfassende wissenschaftliche Debatte an den Universitäten eingefordert. Die Resonanz war äußerst bescheiden – zumindestens die öffentliche.
Österreich bzw. in diesem Fall die Wirtschaftsuniversität Wien hat damit wieder einmal eine einmalige Chance verpasst, in der Wissenschaft eine Vorreiterrolle zu spielen. Man stelle sich vor: Österreich begründet eine neue Volkswirtschaftslehre – eine Volkswirtschaftslehre, welche auf dem Fundament bewiesener Tatsachen steht. Das wäre leicht möglich gewesen. Geschehen ist jedoch nichts – drei Jahre lang. Schade.

An dieser Stelle möchten wir uns bei unseren Mitgliedern und Unterstützern bedanken, die unsere Arbeit durch ihre Beiträge und Spenden ermöglichen! Gemeinsam mit Ihnen konnten wir dazu beitragen, Aufklärung in diesem so wichtigen Feld zu leisten und somit den Weg für ein neues Verständnis betreffend der Funktionsweise von Banken bereiten. 

 


 

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